Die Puppe

Ist mein Kleidchen engelrot,
Trägt mein Angesicht
Wie den Mast das Segelboot
Noch ein Festtagslicht.

Ward ich liebem Kind beschert,
Das mich sanft beredt
Seiner Mutter Kuß gelehrt
Und sein Nachtgebet.

Mir an Ohr und Stirne sprach
Hüpfend seine Hand,
Stumme Worte spielt ich nach,
Die es wohl verstand.

Wenn es Tuch und Vorhang flink
Um mein Wäglein zog,
Ward sein Lächeln uns ein Fink,
Der in Träume flog.

Jammer hab ich doch gekannt,
Oft den kranken Tag,
Da ich hungrig und verbannt
Auf der Stiege lag,

Da die Wange mich verstieß,
Die mich heiß gepreßt,
Mich dem Gras und Dunkel ließ,
Das mit Tau durchnäßt.

Fern dem Junimorgen Tau
Und das Blanke Kind...
Hebt die graugekämmte Frau
Zittrig mich vom Spind,

Blickt ihr trübes Brillenglas
In mein blondes Haar
Noch den Schein von Spiel und Gras
Und ihr fünftes Jahr.